26.03.25
Sprachtests für Vorschulkinder: Wie sie funktionieren und was sie bringen sollen

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Im Gespräch mit der Leiterin des Kindergartens Maria Geburt
Region / Piding – Seit März werden an Grundschulen in ganz Bayern Sprachtests für angehende Vorschulkinder durchgeführt. Wenn Kinder nicht ausreichend gut Deutsch sprechen, erhalten sie im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung zusätzliche Deutschstunden. Der Freistaat verspricht sich davon viele Vorteile, vor allem soll den Kindern der Übergang in die Schule erleichtert werden. Die BAYERNWELLE hat sich gefragt: Wie laufen diese Tests ab? Welche Ursachen gibt es für die sprachlichen Defizite der Kinder, und was halten Pädagogen von den verpflichtenden Sprachtests? Diese Fragen haben wir im katholischen Kindergarten Maria Geburt in Piding an die Leiterin Maria Bichlmaier gerichtet.
Wie funktionieren die Sprachtests?
Die Sprachtests sind grundsätzlich für alle Kinder verpflichtend, die im Jahr darauf eingeschult werden sollen. Aktuell betrifft dies alle Kinder in Bayern, die ab Herbst 2026 in die Schule kommen. Wie uns Maria Bichlmaier bestätigte, gibt es jedoch Ausnahmen: Im Rahmen einer Sprachstandserhebung können Kindergärten bescheinigen, dass ein Kind ausreichend Deutsch spricht. In diesem Fall wird das Kind von den Sprachtests befreit. Bichlmaier erklärte, dass sie in diesem Jahr etwa die Hälfte der Kinder ihres Kindergartens zu den Tests geschickt hat, da sie ihrer Meinung nach sprachliche Defizite aufwiesen. Anfang des Jahres wurden die Eltern der Kinder, die heuer zum Sprachtest müssen, informiert. In der Grundschule in ihrem Wohnort müssen sie dann einen Test machen, laut Bichlmaier in einer "Eins zu Eins Situation." Hier werden ihnen Fragen gestellt, sie müssen Sätze nachsprechen oder Begriffe richtig benennen. Bestehen sie den Test, dann geht es ganz normal zurück in den Kindergarten, wo nach einem Jahr Vorschule dann die Einschulung wartet. Bestehen sie den Test nicht, werden sie im letzten Kindergartenjahr gezielt gefördert. Doch dazu im weiteren Verlauf mehr.
Ursachen für sprachliche Defizite
Maria Bichlmaier nennt drei Hauptursachen für die sprachlichen Defizite, die sie bei vielen Kindern beobachtet:
- Erziehung und Medienkonsum: Kinder nehmen Sprache zunehmend passiv durch Medienkonsum wahr und sprechen zu wenig selbst – weder mit Freunden noch mit den Eltern. Eltern lesen ihren Kindern außerdem immer seltener vor, obwohl Experten betonen, dass Vorlesen entscheidend für die sprachliche Entwicklung eines Kindes ist.
- Ernährung und Mundmotorik: Ein überraschender Aspekt ist laut Bichlmaier die Ernährung. Kinder essen zunehmend weiche Nahrung, was zu einer Rückbildung der Kau- und Gesichtsmuskeln führen kann. Diese Defizite in der Mundmotorik können sich negativ auf die Artikulation und damit auf das Erlernen der Sprache auswirken.
- Migration: Auch diese spielt laut Bichlmaier eine Rolle, wenn es um Defizite bei der deutschen Sprache geht. Kinder mit Migrationshintergrund würden in der Regel sehr schnell Deutsch lernen, hätten aber Schwierigkeiten, wenn zu Hause eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. Sie betont jedoch: „Migration kann, muss aber keinen Einfluss haben.“ Im Blick auf die aktuellen Sprachtests hätte sie auch Kinder mit Migrationshintergrund von den Tests befreit – genauso hätte sie aber auch Kinder ohne Migrationshintergrund zu den Tests geschickt.
Förderung bei Defiziten
Derzeit gibt es keine verlässlichen Zahlen dazu, wie viele Kinder Probleme mit der deutschen Sprache haben. Das bayerische Kultusministerium schätzt jedoch, dass rund ein Drittel der Kinder betroffen ist. Wenn der Sprachtest an der Grundschule Defizite zeigt, können die Kinder im letzten Kindergartenjahr gezielt gefördert werden, beispielsweise durch zusätzliche Deutschstunden in kleinen Gruppen. Ziel ist es, die Kinder bestmöglich auf den Schulbeginn vorzubereiten.
Ergänzende Maßnahmen
Ein weiterer Aspekt der Sprachtests ist, dass in Deutschland keine Kindergartenpflicht besteht. Auch Kinder, die nicht in den Kindergarten gehen (etwa 6 Prozent), müssen an den Tests teilnehmen. Kinder, die den Test nicht bestehen, werden vom Freistaat verpflichtet, das letzte Vorschuljahr in einem Kindergarten zu absolvieren.