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21.04.21

Lage auf Intensivstationen angespannt – Pflegepersonal an Belastungsgrenze 

Klinikum Traunstein
© Kliniken Südostbayern AG

Landkreise – Die Lage auf den Intensivstationen ist angespannt, auch in unserer Region. Grund dafür sind nicht nur die begrenzte Kapazität der Betten. Vor allem das fehlende Personal sorgt für die Anspannung. 

Seit über einem Jahr gehen Pflegekräfte und Ärzte an ihre Grenzen, um das Leben von Covid-Patienten zu retten. Wo am Anfang noch ehemalige Intensivfachkräfte in den Kliniken eingesprungen sind, wechseln heute einige den Beruf. „Heute gibt es weniger Intensivpflegekräfte in den Kliniken als zu Beginn der Pandemie. Nach einem Jahr ist es vielen, für mich durchaus nachvollziehbar, zu viel geworden“, erzählt Dr. Tom-Philipp Zucker im BAYERNWELLE-Interview. Er ist Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Ärztlicher Direktor am Klinikum Traunstein.

Er hat uns einige Fragen zur Lage auf der Intensivstation beantwortet und auch dazu, wie sich diese im Laufe des Pandemie-Jahres verändert hat. Vor allem bei der Behandlung der Patienten hat sich viel getan. „Wir wissen heute mehr als während der ersten Welle. Unsere Therapie ist besser geworden“, so etwa Zucker. Anfangs wurden Covid-Patienten mit Malaria-Medikamenten behandelt. Heute ist klar, dass dies nichts geholfen hat. Jetzt wird zum Beispiel auf Blutverflüssigung gesetzt. Die Patienten bekommen also zu Beginn der Infektion ein Anti-Thrombosemittel. Und im zweiten Teil der Erkrankung wird den Patienten dann Cortison verabreicht.

Sterberate hat sich halbiert

Unter anderem, weil die Therapie im Laufe des Jahres verbessert wurde, liegt die Sterberate auf der Covid-Intensivstation in Traunstein jetzt bei 21 %. In der ersten Welle lag diese bei 42 %. Daran ist aber auch das Alter der Patienten schuld. Das Durchschnittsalter ist jetzt niedriger, weil ältere Risikopatienten schon geimpft sind. Dazu kommt, dass die britische Variante auch jüngere Menschen trifft. „Weil diese seltener Vorerkrankungen haben und weniger fragil sind als die älteren Covid-Patienten, überleben sie eine Erkrankung eher.“, erklärt Dr. Zucker.

„Mangel an Schutzausrüstung für Mitarbeiter hat mich persönlich emotional sehr angefasst“

Was den Arzt persönlich in der Ersten Welle besonders an die Grenzen gebracht hat, war der Mangel an Schutzausrüstung: „Das hat mich emotional stark angefasst. Eigentlich lernen wir, dass wir die OP-Masken so oft wie möglich wechseln müssen. Und da mussten wir den Mitarbeiter sagen, dass sie mit einer Maske pro Tag auskommen müssen. Das fand ich eine belastende Situation und ich muss sagen, dass die Intensivschwestern und -pfleger sowie Ärzte und Ärztinnen extrem mutig waren, unter diesen Bedingungen zu arbeiten.“ Immerhin waren und sind sie in direktem Kontakt mit den Infizierten. Beim An- und Ausziehen der Schutzkleidung durften sie also keinesfalls an die Außenseite der Schutzausrüstung kommen. Viele haben sich in der Ersten Welle infiziert, nur wenige mussten stationär behandelt werden und Gott sei Dank ist keiner der Mitarbeiter des Klinikums Traunstein an Corona gestorben.

Arbeiten in Schutzausrüstung extrem fordernd

Mittlerweile gibt es genügend Schutzkleidung. Das Arbeiten in dieser Ausrüstung ist allerdings extrem anstrengend. Teilweise müssen die Mitarbeiter fast acht Stunden am Stück damit arbeiten. Nach der Schicht haben sie über Stunden noch Abdrücke der Masken im Gesicht.

Damit die Pflegekräfte die Schutzausrüstung nicht dauernd ausziehen müssen, braucht es zusätzliches Personal - sogenannte "Anreichekräfte". Sprich: Wenn ein Intensivpfleger bei einem Patienten ist und etwas aus dem Lager benötigt, wäre es ein enormer Aufwand, für einen Gang von zwei Minuten die Schutzkleidung komplett abzulegen und wieder anzuziehen. Hier gehen die "Anreichekräfte" zur Hand. Diese seien aber nicht leicht zu gewinnen. Es müssen Fachkräfte sein, die sich mit den Medikamenten und den Verbrauchsartikeln auskennen.

Aber nicht nur hierfür wird mehr Personal benötigt. „Generell ist die Behandlung von Covid-Patienten extrem aufwendig und sie verweilen viel länger auf der Intensivstation als andere Intensivpatienten. Die mittlere Verweildauer von Intensivpatienten in Traunstein liegt bei 3,5 Tagen. Bei Covid-Patienten sind es oft sechs Wochen“, so Dr. Zucker.

Deshalb wünscht sich Dr. Tom-Philipp Zucker mehr Verständnis. „Denn klar klingt es erst einmal nicht viel, wenn es heißt, dass 170 Corona-Intensivpatienten im letzten Jahr im Klinikum Traunstein behandelt worden sind. In Traunstein wurden vor Corona rund 3.000 erwachsene Intensivpatienten pro Jahr behandelt. Aber die Versorgung der Covid-Patienten ist eben viel aufwendiger und fordert die Pflegekräfte und Ärzte.“

Belastungsgrenze erreicht – Lage angespannt

Die aufwendigere Behandlung oder auch das Arbeiten in Schutzkleidung verlangt von den Intensivfachkräften seit über einem Jahr extrem viel ab. Die Belastungsgrenze ist lange erreicht und die Lage auf den Intensivstationen deshalb angespannt. Nicht, weil es an Beatmungsgeräten fehlt wie zu Beginn der Pandemie. Nicht, weil es an Schutzausrüstung fehlt wie noch vor einem Jahr. Sondern weil vor allem die Pflegekräfte und Ärzte erschöpft sind.

Aufruf zu mehr Disziplin

Deshalb wünscht sich Dr. Tom-Philipp Zucker eines von uns allen: „Mehr Disziplin bei den Covid-Regeln. Die Inzidenz in unserer ländlichen Region liegt unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu den dicht besiedelten Großstädten. Ich habe den Eindruck, dass am Land das Vertraute nicht als Gefahr erkannt wird. Am Land kennt man sich besser. Man geht sich nicht aus dem Weg. Das ist sympathisch, aber zurzeit ein Fehler!“  



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